Wald, Rohstoff, Werkstoff!
Holz ist einer der ältesten Bau- und Werkstoffe und begleitet den Menschen durch sein gesamtes Leben. Lange Tradition im Handwerk und in der Industrie haben Möglichkeiten geschaffen, für die verschiedenen Verwendungen das richtige Holz in geeigneter Weise einzusetzen. Holz kann von jedem Heimwerker leicht und mit einfachem Werkzeugen bearbeitet, geschraubt, verleimt, gebohrt, gesägt, genutet, gedrechselt und geschnitzt werden. Holz ist preislich gegenüber anderen Werkstoffen erschwinglich und für jeden verfügbar. Holz ist Konsum- und Gebrauchsgut sowie ein gesunder Werkstoff. Holz ist die tägliche Verkörperung reinster Natur, ein umweltfreundliches Produkt mit äußerst positivem Ökoprofil.
Holz ist ein Material mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften: Die verschiedenen Holzarten, der Standort, das Baumalter, Kern- oder Splintholz, Stamm- oder Astholz bieten eine extreme Breite biologischer, chemischer, technologischer und optischer Eigenschaften, was nachteilig für eine rationelle, großtechnische Verarbeitung ist, weil die unterschiedlichen Holzeigenschaften bei den Be- und Verarbeitungsverfahren berücksichtigt werden müssen. Andererseits hat aber die Vielfalt der Eigenschaften und des Aussehens Vorteile, weil die Wünsche und Anforderungen des Verbrauchers an das Produkt gezielt erfüllt werden können. Festigkeit und Tragfähigkeit bei Bauholz, Dauerhaftigkeit bei Fenstern und Außentüren, Farbe und Holztextur bei Möbeln und im Innenausbau, Härte bei Parkett oder rationelle Produktionstechnik und beste Produkteigenschaften bei Zellstoff und Papier – für jeden Verwendungszweck gibt es das richtige Holz.
Für die optimale Konstruktion und Gestaltung von Produkten aus Holz sind Materialeigenschaften wichtig, wie Dichte, Festigkeiten, Elastizitätsmodul, Stehvermögen, natürliche Dauerhaftigkeit und Strukturmerkmale wie anatomischer Aufbau, Zelldimensionen, Astigkeit, Faserverlauf und Extraktsoffgehalt. Eine Analyse der Anforderungen an ein Produkt und daraus abgeleitet an den Rohstoff Holz ermöglicht eine optimale Holzauswahl. In Europa stehen mindestens 20-30 Holzarten in Mengen zur Verfügung, die eine handwerkliche und industrielle Verarbeitung ermöglichen: Fichte, Kiefer, Lärche, Tanne und Douglasie als Nadelhölzer; Buche, Eiche, Esche, Birke, Pappel, Ahorn, Linde, Obsthölzer und andere Laubhölzer.
Weltweit werden etwa 800 – 1.000 Holzarten regelmäßig gehandelt, noch mehr werden lokal genutzt. Die nachhaltige Versorgung ist für fast alle Arten gesichert. Die heimischen Holz- bzw. Baumarten werden nachhaltig bewirtschaftet; in den Tropen und Subtropen setzt sich dies mehr und mehr durch. Gefährdete Arten sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Durch die Vielzahl der Holzarten kann aber fast jeder Bedarf gedeckt werden. Massenhölzer, z. B. für Zellstoff-, Papier-, und Holzwerkstoffherstellung werden überwiegend aus Durchforstungen bis zu etwa 50 Jahren erzeugt. Besonders dekorative oder technisch sehr hochwertige (z. B. dauerhafte oder sehr dichte) Hölzer benötigen längere Umtriebszeiten. Die Forstwirtschaft ist deshalb nur bedingt in der Lage, kurzfristig auf Trends bei der Nachfrage von bestimmten Holzarten (vor allem in der Möbelbranche) zu reagieren.
Holz hat viele Anwendungsbereiche. Es ist ein so vielfältiger Bau- und Werkstoff, dass er aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist.
Holz und Rinde, die dem Wald entnommen werden, lassen sich vollständig verwerten. Die Nebenprodukte der Holzbe- und -verarbeitung, wie Scharten, Spreißel, Hackschnitzel und Späne werden überwiegend in der Zellstoffindustrie als Rohstoff eingesetzt; hierfür haben sich eigene Märkte entwickelt. Dagegen werden stofflich nicht nutzbare Reststoffe überwiegend in dem Betrieb, in dem sie anfallen, zur Energieerzeugung genutzt. Rettenmeier hat sich schon zu Beginn der Neunziger Jahre für diese zukunftsweisende Technologie zur Gewinnung von Strom und Wärme aus Biomasse entschieden, plante und baute das erste eigene Kraftwerk am Standort Wilburgstetten und nach und nach auch an allen weiteren Standorten. 2007 wurde in der Slowakei das erste Biomasse-Kraftwerk feierlich eingeweiht.













